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Interview mit Dr. Marion Feld: Warum Velazquez?
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Grigory Berstein sprach mit Dr. Marion Feld, Kunsthistorikerin und Leiterin der KUNSTSTATION KLEINSASSEN, über Themen, Konzepte und technische Realisierung seiner Arbeiten auf Glas/Acrylglas

 

Dr. Marion Feld: Mit dem Blick auf die „Hampelmänner" drängt sich mir die Frage auf: Warum Velazquez?

 

Grigory Berstein: Zum einen ist es die Qualität und die Vorbildhaftigkeit des Malers und seiner Malerei. Andererseits lassen mir die Gemälde von Velazquez – anders als beispielsweise Werke von Tizian, Rembrandt oder Cézanne – genügend Raum für eine Transformation oder zur Beflügelung meiner Phantasie zu einer Weiterbehandlung. Ja, seine Gemälde – insbesondere seine Porträts – inspirieren mich geradezu zu einer Weiterbearbeitung; sie sind gleichermaßen gut, schön und psychisch geladen. Es geht mir nicht nur um die Ästhetik, sondern auch um die psychologische Dimension. Das Sujet an sich ist für mich keine leere Sache, sondern mich interessiert besonders die Geschichte, die es zu transportieren in der Lage ist.

 

Gilt dieser Ansatz auch für die „Dialog-Serie" (Duchamp, Kandinsky, Klee, Malewitch usw.)?

 

Es stimmt schon in gewisser Weise; denn z. B. war das „Große Glas" von Duchamp von jeher Vorbild und Bewunderungsobjekt für mich, andererseits wirkte es auf mich wie ein Katalysator bei der Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Glas/Acrylglas – insbesondere auch was die Dimensionen angeht, also das große Format als Wagnis. Die Serie der „Künstlerbilder" hat für mich aber auch andere Hintergründe: Es ist sowohl ihre Bedeutung für die Geschichte der Malerei des 20. Jahrhunderts wie auch für mich persönlich. Meine Methode dabei ist, nicht nur zum Werk sondern auch zur Biografie der jeweiligen Künstlerpersönlichkeiten intensiv zu recherchieren, um ihre individuelle Geschichte und Probleme, die sie beschäftigt haben, zu verlebendigen. Daraus entsteht eine regelrechte persönliche Verbindung zwischen dem  jeweiligen Künstler und mir selbst - als Mensch und als Künstler. Je mehr ich mich in diesen Prozess hineinbegebe, desto stärker entwickelt sich diese Verbindung, dieser Kontakt, ja dieser „Dialog". Ich stimme dabei ganz mit Leonardos Meinung überein, dass gerade die Malerei dazu in der Lage ist, eine Geschichte in kompromierter  Form – gewissermaßen auf einen Blick – zu erzählen, zu transportieren. Für mich bedeutet das z. B. bei Kandinsky: Auf drei Schichten zusammengefasst die Entwicklungsfähigkeit im privaten Leben, im schöpferischen Arbeitsprozess und in der intellektuellen Durchdringung der malerischen Probleme darzustellen. Zum Beispiel versuche ich auch, das Karrierebewusstsein und die zielstrebige Sicherheit bei der Verfolgung seiner Ideen bildhaft zum Ausdruck zu bringen. Die Jakobsleiter erscheint mir dafür ein geeignetes Symbol, nicht nur für diese Charaktereigenschaft Kandinskys sondern auch als eines der klassischen Symbole der Ikonenmalerei, die auch für ihn wichtig gewesen ist. Karrieremachen bis zum „Engel-Dasein"! Diese Idee ist mir natürlich erst während des Arbeitsprozesses gekommen. Ähnliches gilt auch für die Beschäftigung mit Klee. Jedes dieser mehrschichtigen Bilder ist wie eine Roman. Ja, Roman ist vielleicht der treffende Ausdruck für das, was ich tue: Ich schreibe eine Geschichte mit meinen Mitteln als „Glasmaler" und mit meiner eigenen Ausdrucksfähigkeit.

 

Das heißt, dass diese „Künstlerbilder" sehr eng mit den „Briefen" verbunden sind: So wie Du in den Briefen an die Mutter und den Vater Deine eigene Geschichte und die Deiner Familie erzählst, so versuchst Du auch die Geschichte dieser ausgewählten Künstler zu rekonstruieren und zu erzählen, die ebenfalls für Deine eigene Geschichte und Deine Auffassungen von Kunst von Wichtigkeit sind.

 

Ja, es ist schon ein einheitliches und zusammenhängendes Konzept. Ich glaube und ich hoffe, dass diese Art der Vorstellung und Umsetzung in das klassische Medium der Malerei schon meine ureigene Methode und mein eigenes Konzept ist und dass es vielleicht meine Aufgabe ist, solche Art von Botschaften zu erstellen. Ich bin für mich selbst auf der Suche nach einem Sinn, der Suche nach einer Antwort und wenn es mir in dem ein oder anderen Fall geglückt erscheint, so wünsche ich diese Botschaft mit meinen Mitteln und meiner Sprache weiterzugeben.

 

Siehst Du Dich als Vermittler zwischen Kandinsky und einem Kunstinteressierten?

 

Eigentlich benutze ich diese Künstler-Figuren nur für meine eigene Auseinandersetzung. Ich habe kein Interesse daran, jemandem – Kunsthistoriker oder Kunstinteressierte – diese Künstler zu vermitteln; denn ich bin sicher, dass dieses Wissen bereits in den Betrachtern meiner Bilder vorhanden ist und dass sie auf der Basis dieses Wissens die Tiefe und Ernsthaftigkeit meiner Aussagen verstehen können. Ich will keine Erläuterungen zu diesen ausgewählten Künstern oder zu einer Malereigeschichte erstellen sondern Geschichten zu existenziellen künstlerischen Problemen verfassen, die sich ausgerechnet an diesen exemplarischen Künstlern manifestieren. In dieser Hinsicht ist die Reihe der Künstlerbilder willkürlich und zufällig. Meine Auswahl erfolgte natürlich gezielt und hat etwas von Besessenheit.

 

© Grigory Berstein